Ein Baby taucht ab. Mit offenen Augen und purem Vergnügen im Gesicht paddelt es durch die Unterwasserwelt – ein Bild, das fasziniert. Doch Achtung: Auch wenn Babys neun Monate im Fruchtwasser der Mutter geschwommen sind: Sie sind keine geborenen Schwimmer oder Taucher. Sie wollen behutsam an das nasse Element herangeführt werden. Dann allerdings profitieren die Kleinen in ihrer ganzen Entwicklung. Durch das so genannte Babyschwimmen verlieren sie früh ihre Scheu vor Wasser und lernen später – etwa mit vier Jahren – leichter schwimmen. Auch dem Körper tut es gut: „Rücken- und Rumpfmuskulatur werden in einer Weise gekräftigt, wie es an Land nicht möglich ist“, erklärt Dr. Lilli Ahrendt, Lehrbeauftragte für Säuglingsschwimmen an der Deutschen Sporthochschule Köln. „Und durch die Schulung des Gleichgewichtssinns sind Laufhaltung und -koordination später deutlich besser.“
Babyschwimmen stärkt das Vertrauen
Das alles geschieht sehr spielerisch. In speziellen Kursen lassen Eltern ihre kleinen Wonneproppen zu Singreimen und Liedern im Wasser plantschen, paddeln und gleiten. Und intensivieren nebenbei den Kontakt zu ihrem Nachwuchs: „In den ersten sechs Monaten baut das Kind sein Urvertrauen auf“, sagt die Expertin. „Im Wasser geben ihm allein Vater oder Mutter Sicherheit. Es spürt, dass es gehalten und geschützt wird.“ Das stärkt Babys Selbstvertrauen und schenkt Zeit zum Kuscheln: „US-Studien zeigen“, so Sportwissenschaftlerin Ahrendt, „dass Kinder im Wasser häufiger als bei Spielgruppen an Land liebkost und geküsst werden, was an dem intensiven Blick- und Körperkontakt liegt.“ Gerade Väter genießen diese Nähe sehr. Vertrauen bildet auch die Basis, damit die Kleinen dann tatsächlich den Schritt zum Tauchen schaffen. „Es ist eine hoch emotionale und sensible Situation“, erklärt Dr. Ahrendt. Zwar sorgt der Atemschutzreflex im Allgemeinen die ersten Monate dafür, dass die Luftröhre automatisch verschlossen wird, sobald der Kopf unter Wasser geht. Dennoch können die Kleinen dabei Angst bekommen.
Ist Baby bereit zum Tauchen?
Wie aber kann man abschätzen, ob die Zwerge Lust auf einen Tauchgang haben oder nicht? Dabei hilft eine speziell entwickelte Methode, der so genannte Wasserguss. Dem Kind wird nach und nach etwas Wasser über Hand, Arm, Schulter, Kopf und Gesicht geträufelt als Signal, dass es gleich tauchen darf. Reagiert das Kind darauf ängstlich oder angespannt, sollten Eltern keinen Abtauchversuch unternehmen. Macht der Säugling dagegen einen entspannten Eindruck, gehen sie nach wiederholtem Test unter Anleitung der Kursleiterin mit dem Kind unter Wasser. „Für viele ist das ein echtes Highlight, ein Erlebnis, das zusammenschweißt“,
erzählt Lilli Ahrendt.
Die Vorbereitung beginnt in der Wanne
Wer mit seinem Kind zum Babyschwimmen möchte, sollte frühzeitig planen. Denn: Die Vorbereitung für das große Becken beginnt etwa fünf bis sechs Wochen vorher – in der Wanne zu Hause. „Wenn der Nabel des Babys abgeheilt ist, können Eltern ihr Kind an das Wasser gewöhnen“, rät Lilli Ahrendt. Am besten spielerisch, indem sie es in der großen Wanne baden, dabei Ärmchen und Beinchen massieren, das Kleine sanft durchs Wasser schwenken. Die Temperatur des Wassers sollte allmählich von 37 Grad auf etwa 32 Grad gesenkt werden (mit Badethermometer überprüfen). Das ist ausreichend warm, damit das Kind nicht zu schnell auskühlt, und kalt genug, um einen Bewegungsreiz auszulösen.
Mit zwölf Wochen ins Hallenbad
Ab etwa drei Monaten kann das Vergnügen im Schwimmbad starten. Die Befürchtung, dass sich ein Kind dabei sofort einen Schnupfen holt, ist eher unbegründet: „Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass Kinder, die am Säuglingsschwimmen teilnehmen, nicht häufiger, aber auch nicht seltener krank sind als andere“, erklärt Dr. Lilli Ahrendt. Dennoch sollten Sie ein paar Dinge berücksichtigen, damit Ihr Kind gesund bleibt und möglichst viel Spaß hat:
- Das Baby sollte ausgeschlafen, weder hungrig sein noch einen vollen Magen haben (letzte Mahlzeit etwa zwei Stunden vorher). Nach dem Schwimmen können Sie es gleich stillen oder füttern.
- Sobald Ihr Kind zu frieren beginnt, nehmen Sie es aus dem Wasser. Eindeutiges Zeichen: blaue Lippen und marmorierte Haut. Anfangs reichen zehn Minuten auch völlig aus.
- Nach dem Schwimmen das Chlorwasser gründlich abwaschen, Haare und Ohren gut mit dem Föhn trocknen.
- Ist Ihr Kind erkältet oder fühlt es sich nicht wohl, verzichten Sie lieber auf das Badeprogramm.
