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Virus im Zangengriff

Neue Medikamente verbessern die Aussichten auf Heilung für Hepatitis-Patienten deutlich

Die Chancen für Axel Bartels (Name geändert) standen schlecht. Nachdem sich der Programmierer 1988 durch eine Bluttransfusion mit dem Hepatitis-C-Virus angesteckt hatte, schilderten ihm die Ärzte eine düstere Perspektive: Wirksame Mittel gegen die drohende Leberentzündung seien kaum vorhanden, die Wahrscheinlichkeit einer Heilung betrage nur zehn Prozent. „Jahrelang“, so Bartels, „lebte ich mit der Angst, dass die schleichende Infektion meine Leber zerstört.“ Die Angst hat Bartels inzwischen abgelegt. Der heute 38-jährige Familienvater gilt als geheilt, das Lebervirus ist in seinem Blut nicht mehr nachweisbar.

Schlagkräftiges Duo

Den Erfolg brachte die Kombination zweier Medikamente, mit der Bartels Ende der 1990er Jahre als einer der weltweit ersten Patienten behandelt wurde: dem als Immunstärker eingesetzten Interferon alfa und dem Virenhemmer Ribavirin, der gezielt den Hepatitis-C-Erreger angreift. „Mit der
Doppelstrategie“, erläutert Hepatitis- Spezialist Dr. Heiner Wedemeyer von der Medizinischen Hochschule Hannover, „nehmen wir das Virus in die Zange.“ Die Kombibehandlung – Dauer: sechs bis zwölf Monate – bedeutete den Durchbruch im Kampf gegen Hepatitis C. „Heute“, schwärmt Wedemeyer, „ist diese Form der Leberentzündung oft komplett heilbar.“ Wird die Infektion bereits in den ersten Wochen nach der Ansteckung – sie erfolgt nur auf dem Blutweg – behandelt, ist der Erfolg fast garantiert. Startet die Therapie in einem späteren, chronischen Stadium der Krankheit, hat der Patient eine 50-prozentige Chance auf Gesundung. „Das bedeutet: Auch genaueste Labortests können keine Hepatitis-C-Viren mehr im Blut aufspüren“, sagt Wedemeyer.

Diagnose oft ein Zufallsfund

Dass Hepatitis C schon in der Akutphase erkannt und behandelt wird, ist allerdings die Ausnahme. Die meisten Virusträger haben sich den Erreger bis Ende der 1980er Jahre eingefangen – häufig, wie bei Axel Bartels, durch eine Blutkonserve. Erst 1988 wurde das Hepatitis-C-Virus identifiziert; seit 1991 werden alle Blutspenden in Deutschland routinemäßig auf den Erreger getestet. Wer sich neu infiziert – das passiert heute zum Beispiel durch verschmutztes Besteck beim Piercing –, merkt vom Virus zunächst kaum etwas. „Die Mehrzahl der Patienten hat jahrelang keine eindeutigen Beschwerden, allenfalls Müdigkeit“, sagt Wedemeyer. „Oft ist die Diagnose ein Zufallsfund bei einer Blutprobe.“

Hoffnung auf Impfstoffe

Eine Therapie der langjährig Infizierten wird in der Regel erst nötig, wenn das Virus der Leber erkennbar zusetzt. Das ist bei etwa 30 Prozent der Betroffenen der Fall. Weil dann auf lange Sicht der Verfall des Organs droht, suchen Forscher dringend nach Lösungen für solche Patienten, bei denen die Behandlung mit Interferon und Ribavirin nicht anschlägt. Große Hoffnungen setzt Wedemeyer auf Impfstoffe, die das Hepatits-C-Virus selbst bei chronischer Infektion noch attackieren. „Dabei verabreichen wir künstlich hergestellte Bruchstücke des Erregers, die das Immunsystem des Patienten anregen“, erklärt der Forscher, der an
ersten Tests arbeitet. Solchen Ansätzen steht Dr. Jens Encke skeptisch gegenüber. „Das Hepatitis-C-Virus ist so wandlungsfähig, dass es dem Immunsystem trotz Impfung immer wieder entwischen wird“, befürchtet der Spezialist für Lebererkrankungen von der Uni Heidelberg.

Hepatitis B: Impfen ist möglich

Anders ist die Situation bei der zweiten weit verbreiteten Leberinfektion, der Hepatitis B. Hier gibt es schon seit Jahren einen vorbeugenden Impfstoff, mit dem nach den aktuellen Empfehlungen des Berliner Robert- Koch-Instituts jedes Kind versorgt werden sollte. Erwachsene
Bundesbürger haben in der Mehrzahl keinen Impfschutz vor Hepatitis B. Im Unterschied zu Hepatitis C wird die B-Variante nicht nur auf dem Blutweg, sondern auch über andere Körpersekrete übertragen, etwa beim ungeschützten Geschlechtsverkehr. „Hepatitis B ist in Deutschland heute im Wesentlichen eine Sexualkrankheit“, weiß Wedemeyer. „Jugendliche mit wechseln den Partnern infizieren sich häufig.“

Mit Aids-Medikamenten gegen chronische Hepatitis B

Wer sich angesteckt hat, kann hoffen. Nur in etwa zehn Prozent der Fälle – und damit seltener als bei Hepatitis C – setzt sich die Infektion auf Dauer in den Leberzellen fest und wird zur Gefahr. In diesem Fall sind die Aussichten weniger günstig als bei der Schwesterkrankheit: „Bei chronischer Hepatitis B können wir das Virus bislang nicht vernichten“, berichtet Encke. „Wir können nur verhindern, dass es die Leber weiter angreift.“ Dabei helfen seit kurzem die Medikamente Lamivudin und Adefovir, die ursprünglich für AIDS-Kranke entwickelt wurden. „Die Mittel hemmen die Vermehrung der Hepatitis-Viren“, erklärt Encke. Das Problem: Vermutlich brauchen die Patienten eine lebenslange Therapie. „Dadurch“, so Encke, „besteht die Gefahr, dass die Erreger mit der Zeit gegen die Medikamente widerstandsfähig werden. Das gilt besonders für Lamivudin.“

Die Ärzte setzen darauf, dass die Palette der Virenhemmer in den nächsten Jahren größer wird. Weitere Wirkstoffe, die sich in der AIDS-Therapie bewährt haben, testet man an Hepatitis- B-Patienten. Die Angst können Mediziner ihren Patienten dennoch nicht ganz nehmen. Wedemeyer: „Es bleibt die Gefahr, dass das Hepatitis-B-Virus wieder aktiv wird.“

Weitere Informationen

für Patienten gibt es
in der Telefonsprechstunde
beim „Kompetenznetz Hepatitis“
Tel. 018 05/45 00 60.