Zu hohe Dosen können schaden
„Viel hilft viel!“ ist offenbar kein brauchbares Motto, wenn es um die Einnahme von Vitamin- Präparaten geht. Darauf deuten zwei aktuelle Untersuchungen hin
US-Forscher zeigten, dass ältere Frauen mit Diabetes ihrem Herzen offenbar mehr schaden als nutzen, wenn sie täglich große Mengen synthetisches Vitamin C zu sich nehmen. In der Langzeitstudie über 15 Jahre wurden knapp 2000 Diabetikerinnen jenseits der Wechseljahre untersucht. Frauen, die täglich 300 Milligramm oder mehr Vitamin C (Ascorbinsäure) in Tablettenform einnahmen, hatten ein doppelt so hohes Risiko, an einer Herzerkrankung oder einem Schlaganfall zu sterben wie jene Frauen, die auf Vitamin-C- Präparate verzichteten. Wer viel Vitamin C allein aus Lebensmittel aufnahm, der hatte dadurch keine erkennbaren Nachteile. Andere Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wurden bei der Auswertung berücksichtigt.
Weitere Untersuchungen sind nötig
Die Studienautoren gehen davon aus, dass das Ergebnis auch auf Männer übertragbar sein dürfte. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Diabetiker bei der Nahrungsergänzung vorsichtiger sein sollten als andere Personen“, sagt Dr. David Jacobs von der „University of Minnesota“. Er betonte aber, dass zusätzliche Untersuchungen nötig seien, bevor eine allgemeine Empfehlung gegeben werden könne. Die Studie wurde im „American Journal of Clinical Nutrition“ veröffentlicht.
Ascorbinsäure soll eigentlich schützen
Schon länger beobachten Wissenschaftler bei vielen Diabetikern ungewöhnlich niedrige Vitamin-C- Konzentrationen im Blut. Dieser Mangel wurde als mögliche Ursache für eine frühzeitige Arterien- Verkalkung gehandelt. Hintergrund: Das lebenswichtige Vitamin C gehört zu einer „Schutztruppe“ des Organismus, den Antioxidantien (auch „Radikalfänger“ genannt). Sie machen zerstörerische freie Radikale unschädlich, die im Körper entstehen oder über Luft und Nahrung aufgenommen werden. Freie Radikale wiederum stehen unter Verdacht an der Entstehung verschiedener Krankheiten beteiligt zu sein, darunter Herz-Kreislauf- Erkrankungen und Krebs.
Nützt Vitamin-C nur in Gesellschaft?
Warum entfalten Vitamin-C- Tabletten in hohen Dosen offenbar keinen Schutzeffekt, sondern im Gegenteil sogar eine schädliche Wirkung? Und warum verhält es sich bei Vitamin C aus Lebensmitteln anders? Jacobs hat eine mögliche Erklärung: Vitamin C wirkt nicht immer antioxidativ, sondern unter bestimmten Umständen genau entgegengesetzt. Möglicherweise wird diese unerwünschte Vitamin-C-Wirkung bei Antioxidantien aus Obst und Gemüse durch andere Pflanzen- Inhaltsstoffe neutralisiert. Sie sind vielleicht „biochemisch ausbalanciert“, während künstlich hergestellte Vitamine über keine derartige natürliche Balance verfügen, spekuliert Jacobs. Wer es mit synthetischem Vitamin C übertreibt, bringt womöglich das komplexe Antioxidantien-System des Körpers aus dem Gleichgewicht.
Zu viel Vitamin E: Gefahr für das Herz
Auch eine Nahrungsergänzung mit sehr viel Vitamin E kann ungesund sein. Zu diesem Ergebnis kamen US-Mediziner der Johns-Hopkins- Universität in Baltimore. Bei der Auswertung von 19 Studien mit insgesamt knapp 140.000 Teilnehmern zeigte sich, dass Patienten, die „höhere Dosen von Vitamin E zu sich nahmen, auch ein höheres Todesrisiko tragen“, so Studienleiter Edgar Miller. Bereits eine Vitaminkapsel mit 400 oder 800 Internationalen Einheiten (IE) Vitamin E pro Tag steigert das Risiko um zehn Prozent, berichteten die Forscher auf der Tagung der American Heart Association (AHA) in New Orleans. Eine tägliche Dosis von 200 IE richte dagegen keinen Schaden an und sei der Gesundheit möglicherweise sogar zuträglich.
Nach wie vor gilt, dass Vitamine lebenswichtig sind und ein Mangel ausgeglichen werden muss. Wer Vitamin-Präparate einnimmt, sollte sich aber bei seinem Arzt oder Apotheker ausführlich zur geeigneten Dosierung beraten lassen.
American Journal of Clinical Nutrition/ reuters
