Die Kamera zum Schlucken
Eine digitale Videokapsel macht schwere Erkrankungen des Dünndarms erstmals sichtbar
Eine schluckbare Kleinstkamera hilft, verborgene Krankheitsherde im Dünndarm aufzuspüren. Das zeigt eine Studie von Internisten der Bochumer Ruhr- Universität. Die Ärzte untersuchten 42 Patienten, bei denen ein Stuhltest Hinweise auf Blutungen im Verdauungstrakt geliefert hatte. „Magen- und Darmspiegelung waren bei den Betroffenen jedoch ohne Ergebnis geblieben“, berichtet der Forscher Dr. Christian Pox. Erst die Aufnahmen der Videokapsel zeigten: Die meisten Probanden hatten Fehlbildungen von Gefäßen oder blutende Geschwüre im Dünndarm.
Bewährungsprobe bestanden
Damit hat die vor drei Jahren eingeführte Kapsel- Endoskopie aus Sicht von Pox ihre Bewährungsprobe bestanden. Bislang galt der Dünndarm als schwer zugängliches Gebiet, weil klassische Schlauchendoskope den fast vier Meter langen Verdauungsabschnitt kaum erreichen können.
Nachteil der Minikamera ist der hohe Preis: Die etwa 550 Euro teure Kapsel wird nur einmal benutzt. Außerdem können die Ärzte – anders als bei einer üblichen Spiegelung – damit keine Gewebeproben entnehmen.
In rund acht Stunden wandert die Videokapsel durch den Verdauungstrakt. Die Aufnahmedaten werden je nach Position an einen der acht Sensoren gefunkt, die der Patient auf der Bauchdecke trägt. Ein Datenrekorder übernimmt die Speicherung. Während der Untersuchung kann sich der Patient normal bewegen.
